Der berufliche Werdegang ist ein ganz individueller Weg, der geradlinig verlaufen oder uns in überraschende Richtungen führen kann. In den meisten Fällen dürfte auf dem Pfad zum Traumjob eine Ausbildung oder ein Studium liegen. Da während der Lehrjahre meist nur niedrige oder gar keine Einkommen generiert werden, empfiehlt es sich, vorab einen gut durchdachten Finanzplan zu erstellen. Schließlich verursacht eine Ausbildung in der Regel auch einige Kosten. Bei ihrer Planung sollten Auszubildende und Studierende das Finanzamt nicht vergessen. Unter Umständen können nämlich bestimmte Ausgaben geltend gemacht werden. Im Idealfall winkt dann eine Steuerersparnis.

Falls Sie im Begriff sind, eine Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren, haben Sie derzeit vermutlich einiges um die Ohren. Schließlich muss allerhand geplant, organisiert und in die Wege geleitet werden. In dieser Situation haben wahrscheinlich nur die wenigsten Lust, sich mit dem Thema Steuern zu beschäftigen. Viele angehende Auszubildende und Studierende müssen das auch nicht, da sie in den meisten Fällen nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind. Allerdings kann es manchmal durchaus sinnvoll sein, die Mühe auf sich zu nehmen. Gegebenenfalls können Sie sich dadurch Steuererleichterungen sichern oder für die Zukunft vormerken lassen.

 

Zwischen Erst- und Zweitausbildung unterscheiden

Ob sich eine Geltendmachung der Ausbildungskosten lohnt, hängt von einer essenziellen Frage ab: Erst- oder Zweitausbildung? Grundsätzlich gilt nämlich Folgendes: Aufwendungen, die für den ersten Anlauf getätigt werden, können in vielen Fällen lediglich als Sonderausgaben abgesetzt werden. Die im Zusammenhang mit einer Zweitausbildung stehenden Kosten lassen sich hingegen als Werbungskosten geltend machen.

Ob man seine Berufslaufbahn mit einer unbezahlten Ausbildung oder einem Studium beginnt, spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist aber, dass die erste Ausbildung erfolgreich absolviert und ein berufsqualifizierender Abschluss erreicht werden konnte. Unabdingbar ist, dass eine Prüfung abgeschlossen wird. Zudem muss die Ausbildungsdauer mindestens 12 Monate betragen. Das heißt konkret: Wird die erste Ausbildung oder das Erststudium ohne Abschluss abgebrochen, gilt auch die nächste Ausbildung als Erstausbildung.

 

Sonderausgaben vs. Werbungskosten

Um zu verdeutlichen, weshalb diese Unterscheidung von großer Bedeutung für die Steuererklärung ist, werfen wir nun erst einmal einen Blick auf die oben erwähnten Abzugsarten. Da hätten wir zum einen die Sonderausgaben, die im privaten Lebensbereich zustande kommen. Im Steuerrecht ist dafür ein Pauschbetrag von 36 Euro vorgesehen. Daneben können in der Steuererklärung Kosten wie Versicherungs- und Mitgliedsbeiträge oder Spenden geltend gemacht werden. Im Gegensatz dazu sind Werbungskosten stets beruflich veranlasst. Dabei handelt es sich unter anderem um Arbeitszimmer-, Fahrt-, Fortbildungs- oder Arbeitsmittelkosten. Beide Abzugsarten mindern das zu versteuernde Einkommen.

Auszubildende und Studierende sollten wissen, dass höchstens 6.000 Euro pro Jahr als Sonderausgaben für die Erstausbildung abgesetzt werden können. Werbungskosten können sie hingegen in unbegrenzter Höhe geltend machen. Es gibt aber noch einen weiteren wichtigen Unterschied: Sonderausgaben können nur in dem Jahr angesetzt werden, in dem sie entstanden sind. Demjenigen, der ein niedriges oder gar kein Einkommen erwirtschaftet, wird der Abzug also nichts nützen. Schließlich muss er in diesem Fall keine Steuern zahlen. Folglich kann auch nichts abgezogen werden. Wer jedoch Einnahmen generiert, die über dem Grundfreibetrag liegen, kann von der Steuerminderung profitieren. Allerdings sollten unter 26-Jährige darauf achten, dass der Anspruch auf Kindergeld entfällt, wenn sie mehr als 20 Stunden in der Woche arbeiten.

 

Verlustvorträge für die Zukunft vormerken

Für Menschen ohne Einkommen haben die Werbungskosten einen entscheidenden Vorteil: Sie können als Verlustvorträge für die Zukunft vorgemerkt werden – und zwar für mehrere Jahre. Das heißt, sie lassen sich in der Regel auch noch nach der Ausbildung geltend machen. Das ist besonders lohnenswert, wenn man im Anschluss einen gut bezahlten Job ergattern kann. Das dann erzielte zu versteuernde Einkommen darf um die in der Ausbildungszeit entstandenen Werbungskosten gemindert werden.

Zur Erinnerung: Werbungskosten können nur für eine zweite Ausbildung geltend gemacht werden. Wie oben bereits erwähnt, lassen sich Kosten für die Erstausbildung lediglich als Sonderausgaben absetzen.

 

Absetzbare Kosten definieren

Bevor man sich nun an das Ausfüllen der Steuererklärungsformulare macht, sollte aber erst einmal geklärt werden, welche Kosten überhaupt absetzbar sind. Prinzipiell zählen alle Aufwendungen dazu, die im Zusammenhang mit dem Studium oder der Ausbildung entstehen. Das können beispielsweise Ausgaben für Bücher, Büromaterial und Nachhilfe, Semesterbeiträge, Studiengebühren oder Unterkunftskosten sein. Für den Weg zur Uni oder zum Ausbildungsbetrieb darf außerdem eine Entfernungspauschale von 30 oder – bei größeren Entfernungen – 38 Cent pro Kilometer angesetzt werden.

 

Auszubildende mit Gehalt dürfen Werbungskosten ansetzen

Bestimmt haben Sie es schon geahnt: Es gibt eine Ausnahme von der Erst-und-Zweitausbildungsregel. Diese kommt zum Tragen, wenn der Auszubildende bereits ein Gehalt bezieht. Dann dürfen alle anfallenden Kosten als Werbungskosten geltend gemacht werden. Diese Regelung gilt nicht nur für die klassische Lehre, sondern auch für ein duales Studium. Das Gehalt ist übrigens lohnsteuerpflichtig. Steuern müssen Auszubildende jedoch nur zahlen, wenn der Grundfreibetrag überschritten wird. Dieser lag 2023 bei 10.908 Euro im Jahr; 2024 sind es dann 11.604 Euro.

 

Werkstudierende teilen Kosten auf

Etwas komplizierter fällt die Steuererklärung für diejenigen aus, die ein Werkstudium als erste Ausbildung absolvieren. Sie müssen die Kosten aufteilen. Alle im Zusammenhang mit der betrieblichen Ausbildung entstehenden Kosten können als Werbungskosten geltend gemacht werden. Schließlich beziehen sie ein Gehalt. Die Aufwendungen, die für das Studium anfallen, sind allerdings nur als Sonderausgaben abziehbar, wenn es sich um die erste Ausbildung handelt. In der zweiten Ausbildung sind aber auch diese Kosten als Werbungskosten deklarierbar. Überschreitet ihr zu versteuerndes Einkommen den Grundfreibetrag, müssen sie ebenfalls Lohnsteuer zahlen.

Werkstudierende sollten außerdem beachten, dass sie im Hinblick auf ihre Sozialversicherungspflicht ein Privileg haben: Von ihrem Gehalt werden keine Beiträge zur Kranken-, Pflege- oder Arbeitslosenversicherung abgezogen. Voraussetzung ist, dass sie höchstens 20 Stunden in der Woche im Unternehmen arbeiten; in der vorlesungsfreien Zeit beträgt die maximale Wochenarbeitszeit 40 Stunden. Je nachdem, wie alt Werkstudierende sind, dürfen sie Mitglied in der studentischen Krankenversicherung werden, in der Familienversicherung bleiben oder sich freiwillig gesetzlich versichern.

 

Eltern können ebenfalls Steuern sparen

Eine Ausbildung hat aber oftmals nicht nur Auswirkungen auf den eigenen Kontostand, sondern auch auf den der Eltern. Schließlich lassen es sich viele Mütter und Väter nicht nehmen, ihren Nachwuchs in der Ausbildungszeit zu unterstützen. Diese Hilfestellung können Eltern steuerlich geltend machen. Unter anderem können sie Beiträge, die für das Kind zur Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt werden, als Sonderausgaben absetzen.

Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, einen Ausbildungsfreibetrag von 1.200 Euro pro Jahr anzusetzen. Dafür müssen allerdings ein paar Voraussetzungen erfüllt sein: Wichtig ist beispielsweise, dass sie Anspruch auf Kindergeld oder auf den Kinderfreibetrag haben und dass das in Ausbildung befindliche Kind nicht mehr zu Hause wohnt. Zudem muss der betreffende Sohn oder die betreffende Tochter volljährig sein. Sollten Eltern ihren Nachwuchs finanziell unterstützen, obwohl ihnen kein Kindergeld zusteht, dürfen sie die Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen ansetzen. Dies gilt aber nur für Unterhaltszahlungen. Die laufenden Kosten des Kindes können sie nicht geltend machen. Das ist nur dem Auszubildenden oder dem Studierenden vorbehalten.

 

Vor Ausbildungsbeginn steuerlichen Rat einholen

Anders als ihre berufstätigen Eltern sind junge Erwachsene, die eine erste Ausbildung oder ein Erststudium absolvieren, nicht zur Anfertigung einer Steuererklärung verpflichtet. Deshalb stellt sich die Frage, ob eine Meldung beim Finanzamt überhaupt sinnvoll ist. Die Antwort ist abhängig von vielen verschiedenen Faktoren; eine Entscheidung kann daher nur im Einzelfall getroffen werden. Unter bestimmten Umständen ist das Einreichen einer Steuererklärung aber sogar notwendig.

Welche Pflichten dem Fiskus gegenüber bestehen, ist vielen Schulabsolventen jedoch nicht klar. Schließlich dürften die meisten von ihnen zuvor nur selten mit dem Thema Steuern in Berührung gekommen sein. Wer unsicher ist, kann sich aber Unterstützung von einem Steuerexperten holen. So wird sichergestellt, dass man zu Beginn des Berufslebens in steuerlicher Hinsicht alles richtig macht und sich nicht schon zum Start mit dem Finanzamt anlegt.

Denis Broll - Diplom Ökonom | Steuerberater, Fachberater für int. Steuerrecht, zert. Berater für E-Commerce <small>(IFU / ISM gGmbH)</small>

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