22.02.24 | Widerspruch gegen einen Verwaltungsakt

Der Widerspruch gegen einen Verwaltungsakt unterliegt gesetzlichen Formvorschriften. Er kann schriftlich oder zur Niederschrift eingelegt werden. Wird er in elektronischer Form eingelegt, dann ist eine qualifizierte elektronische Signatur beziehungsweise die Versendung per De-Mail erforderlich.

Ein Fachjournalist für IT-Technik legte gegen einen Sozialhilfebescheid per einfacher E-Mail Widerspruch ein. Die Sozialhilfebehörde teilte dem schwerbehinderten Mann unverzüglich mit, dass sie den Widerspruch als unzulässig zurückweise. Es fehle die qualifizierte elektronische Signatur. Er übersandte daraufhin seinen Widerspruch fristgemäß per Fax. Zudem legte er Klage gegen die Behörde ein, um eine grundsätzliche Regelung zu erreichen. Die Behörde sollte gerichtlich verpflichtet werden, auch formgebundenen Schriftverkehr per einfache E-Mail zuzulassen. 

Widerspruch per einfacher E-Mail ist unwirksam

Das Sozialgericht wie auch das Hessische Landessozialgericht (Az. L 4 SO 180/21) erklärten die Klage für unbegründet. Der Widerspruch gegen einen Verwaltungsakt unterliege gesetzlichen Formvorschriften. Zwar sei auch eine elektronische Übermittlung vorgesehen. Voraussetzung sei aber eine qualifizierte elektronische Signatur. Es müsse erkennbar sein, dass nur solche Schreiben als Widerspruch gewertet werden, aus denen sich klar ergebe, dass sie von dem Betreffenden willentlich in den Verkehr gebracht worden sind. Dies sei bei einer einfachen E-Mail nicht gegeben.

Gesetzliches Formerfordernis verstößt nicht gegen Benachteiligungsverbot

Der Kläger werde hierdurch nicht in verfassungswidriger Weise benachteiligt. Zwar seien Menschen nach dem Grundgesetz wirksam davor zu schützen, wegen einer Behinderung benachteiligt zu werden. Hiervon sei bei dem Kläger jedoch nicht auszugehen. Er nutze ein Fax-Gerät, mit welchem formgerecht Widerspruch und andere Rechtsmittel eingelegt werden könnten.

Darüber hinaus bleibe es dem Gesetzgeber im Rahmen seiner Gestaltungsfreiheit überlassen, den barrierefreien Zugang zu behördlichem und gerichtlichem Rechtsschutz näher auszugestalten.

(Hess. LSG / STB Web)

Artikel vom: 22.02.2024

19.02.24 | Insolvenzen: Zweistellige Zuwachsraten im Vorjahresvergleich

Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im Januar 2024 um 26,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen.

Im Dezember 2023 hatte sie um 12,3 Prozent gegenüber Dezember 2022 zugenommen. Seit Juni 2023 sind damit durchgängig zweistellige Zuwachsraten im Vorjahresvergleich zu beobachten, wobei die Insolvenzzahlen für diesen Zeitraum insgesamt noch leicht unter dem Niveau des Vor-Corona-Zeitraums Juni 2019 bis Januar 2020 lagen.

Zahlen richtig einordnen

Bei den Ergebnissen ist zu berücksichtigen, dass die Anträge erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik einfließen. Der tatsächliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt in vielen Fällen annähernd drei Monate davor. Die Insolvenzstatistik bildet nur Geschäftsaufgaben ab, die im Zuge eines Insolvenzverfahrens ablaufen, nicht jedoch solche aus anderen Gründen beziehungsweise vor Eintritt akuter Zahlungsschwierigkeiten.

Vergleich mit der Corona-Zeit

Im November 2023 meldeten die Amtsgerichte nach endgültigen Ergebnissen 1.513 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 15,3 Prozent mehr als im November 2022. Von Januar bis November 2023 stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23,2 Prozent auf 16.264 Fälle. Von Januar bis November 2022 hatte die Zahl allerdings nur leicht über dem niedrigen Niveau des von Corona-Sonderregelungen geprägten Vergleichszeitraums des Jahres 2021 gelegen (+2,9 Prozent). Verglichen mit dem Zeitraum des Vor-Corona-Jahres 2019 war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen von Januar bis November 2023 um 6,5 Prozent niedriger.

(Destatis / STB Web)

Artikel vom: 19.02.2024

13.02.24 | Nachfolge-Monitoring Mittelstand

Die Rückzugsplanungen mittelständischer Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland nehmen Fahrt auf, wie das aktuelle Nachfolge-Monitoring Mittelstand von KfW Research zeigt.

Bis zum Ende des laufenden Jahres 2024 planen danach rund 224.000 Inhaber und Inhaberinnen im Mittelstand ihren Rückzug und streben dabei an, das Unternehmen in die Hände eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin zu legen. Das entspricht sechs Prozent aller 3,81 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland.

Fortschritte im Nachfolgeprozess

Erfreulich sei, dass so viele bereits weit vorangeschritten seien im Nachfolgeprozess: 41 Prozess (92.000) hätten die Nachfolgeregelung bereits unter Dach und Fach. Weitere 31 Prozent (69.000) würden sich immerhin schon in Verhandlungen befinden. Neben den kurzfristigen Nachfolgewünschen gibt es kleinere Zuwächse auch bei den mittel- oder längerfristigen Nachfolgesuchen. Betrachtet man den Fünfjahreszeitraum von 2023 bis zum Ende des Jahres 2027, dann streben 626.000 der insgesamt 3,81 Millionen mittelständischen Unternehmen in Deutschland eine Nachfolge an.

Zahlreiche Hürden

Im Durchschnitt stünden demnach bis inklusive 2027 rund 125.000 Unternehmensnachfolgen jährlich an, sofern alle Inhabenden diese Pläne tatsächlich auch aktiv verfolgen und umsetzen. Denn selbst bei aktivem Engagement gibt es zahlreiche Hürden, an denen Nachfolgeprozesse stecken bleiben oder scheitern können. Die Unternehmen nennen hier selbst am häufigsten das Finden des geeigneten Nachfolgers (74 Prozent), Einigung auf den Kaufpreis (30 Prozent), Bürokratieaufwand (30 Prozent), rechtliche Komplexität (28 Prozent) und Finanzierungsfragen (16 Prozent).

Zum Datenhintergrund:

Den Auswertungen des Nachfolge-Monitorings Mittelstand 2023 liegt das KfW-Mittelstandspanel als zentrale Datenquelle mit einer Datenbasis von bis zu 15.000 Unternehmen pro Jahr zugrunde. Es wird seit 2003 als Wiederholungsbefragung der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland durchgeführt.

(KfW / STB Web)

Artikel vom: 13.02.2024

05.02.24 | Betriebsprüfung auch nach dem Tod des Geschäftsinhabers zulässig

Die Durchführung einer steuerlichen Betriebsprüfung für zurückliegende Besteuerungszeiträume ist auch dann zulässig, wenn der Betriebsinhaber verstorben ist und der Betrieb von den Erben nicht weitergeführt wird. Dies hat das Hessische Finanzgericht.

Die steuerlichen Pflichten gehen mit dem Tod des Betriebsinhabers auf die Erben über. Dazu gehört auch die Duldung der Betriebsprüfung.

Geklagt hatten zwei Söhne, die jeweils Miterbe nach ihrem verstorbenen Vater geworden waren. Der Vater betrieb bis zu seinem Tod ein Bauunternehmen. Der Betrieb wurde von den Söhnen nicht weitergeführt. Das beklagte Finanzamt ordnete dennoch eine Betriebsprüfung für mehrere zurückliegende Jahre an. Die Söhne waren der Auffassung, dass eine Betriebsprüfung nur erfolgen dürfe, solange der Inhaber selbst Auskünfte zu der betrieblichen Tätigkeit geben könne und der Betrieb noch existiere. Eine Betriebsprüfung nach dem Tod des Betriebsinhabers sei daher unzulässig. Das Hessische Finanzgericht hat die Klage mit Urteil vom 10.5.2023 entschieden (Az. 8 K 816/20) abgewiesen.

Überprüfung zurückliegender Jahre Regelfall

Nach § 193 Abs. 1 der Abgabenordnung ist eine Außenprüfung bei Steuerpflichtigen zulässig, die einen Betrieb unterhalten. Diese Regelung sei aus Gleichheitsgründen notwendig, um bei Gewerbetreibenden die Richtigkeit der Buchführung und damit im Ergebnis die selbst ermittelte Höhe der Steuern überprüfen zu können. Dabei liege es in der Natur der Sache, dass im Regelfall zurückliegende Jahre überprüft würden. Die Vorschrift könne daher nur so verstanden werden, dass der Betrieb in dem Zeitraum, der überprüft werden solle, existiert habe. Eine spätere Betriebseinstellung sei unmaßgeblich, da im Erbfall alle Rechte und Pflichten auf den oder die Erben übergingen.

Außenprüfung muss von Erben geduldet werden

Eine Außenprüfung müsse daher auch von denjenigen geduldet werden, die den Betrieb nie selbst geführt hätten. Mögliche Schwierigkeiten in Bezug darauf, dass bestimmte Auskünfte nicht erteilt oder Unterlagen nicht vorgelegt werden könnten, seien nicht bei der Frage der Zulässigkeit einer Außenprüfung zu berücksichtigen. Dies seien Umstände, die im späteren Besteuerungsverfahren auf der Ebene der Beweisführung Bedeutung erlangten. Auch sei irrelevant, ob bezüglich älterer Besteuerungszeiträume noch Einspruchs- oder Klageverfahren anhängig seien, da jedes Jahr für sich allein betrachtet werden müsse.

Gegen das Urteil ist eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesfinanzhof (Az. X B 73/23) eingelegt worden.

(Hess. FG / STB Web)

Artikel vom: 05.02.2024

31.01.24 | Apothekenzahl auf Tiefstand

In Deutschland ist die Zahl der Apotheken zum Jahresende 2023 auf 17.571 gesunken. Das sind 497 Apotheken weniger als zum Jahresende 2022 – der bisher größte Rückgang an Apotheken überhaupt.

Den 559 Schließungen standen im vergangenen Jahr nur 62 Neueröffnungen gegenüber. Einen Rückgang in der Apothekenzahl gab es sowohl bei den Haupt- und Einzelapotheken (minus 405) als auch bei den Filialen (minus 92). Die Zahl der Einzelapotheken ohne Filialstrukturen ist erstmals unter die Marke von 10.000 gefallen (9.645).

Seit dem Höchststand im Jahr 2008 (21.602) ist die Apothekenzahl somit um mehr als 18 Prozent gesunken. Mit 21 Apotheken pro 100.000 Einwohnern liegt die hiesige Apothekendichte unter dem europäischen Durchschnitt (32). Diese Zahlen gehe aus Berechnungen der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hervor, die auf den Meldungen der Landesapothekerkammern in allen 16 Ländern basieren.

ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening fordert die Regierungsparteien zum Handeln auf. Das Apothekenhonorar sei seit mehr als zehn Jahren nicht mehr angepasst und zuletzt sogar nochmals gekürzt worden – obwohl im selben Zeitraum der Verbraucherpreisindex um 38 Prozent und die Kosten in Apotheken sogar um 60 Prozent geklettert seien. Das Honorar der Apotheken müsse künftig automatisch an wirtschaftliche Entwicklungen angepasst werden.

(ABDA / STB Web)

Artikel vom: 31.01.2024

22.01.24 | Vertrag ist Vertrag – auch in Zeiten steigender Kosten

Wenn in einem Mietvertrag vereinbart ist, dass der Mieter für Strom einfach eine Pauschale zahlt, gilt das auch in Zeiten steigender Kosten. Dies hat das Landgericht Lübeck klargestellt.

In vielen alten Mietverträgen finden sich noch Nebenkostenpauschalen, zum Beispiel für Strom. Das bedeutet, dass die Mieter einfach pauschal einen festen Betrag für Strom bezahlen – egal wie viel sie wirklich verbraucht haben. Das ist so, weil früher Mietshäuser manchmal keine gesonderten Stromzähler für jede Wohnung hatten.

In Zeiten steigender Stromkosten ist das für den Vermieter allerdings ein Problem. Denn er muss dann ja bei steigenden Strompreisen die Mehrkosten tragen. Kann er dann einfach Zähler einbauen und in der nächsten Jahresabrechnung von der Pauschale auf Abrechnung nach gemessenem Verbrauch umstellen? Nein, sagt die Berufungskammer des Landgerichts Lübeck: Vertrag ist Vertrag. Wenn im Mietvertrag ausdrücklich eine Pauschale vereinbart ist, dann gilt das.

Vermieter muss Mehrkosten tragen

Der Vermieter hat kein Recht, den Vertrag einfach außer Kraft zu setzen. Rechtlos ist der Vermieter aber nicht: das Gesetz sieht die Möglichkeit vor, dass der Vermieter höhere Betriebskosten auf die Mieter umlegt – trotz Pauschale (§ 560 BGB). Dies muss aber im Mietvertrag vereinbart worden sein. Und der Vermieter muss den Grund für die Erhöhung in Textform bezeichnen und erläutern. Einfach Fakten schaffen durch eine geänderte Form der Jahresabrechnung funktioniert nicht.

Einseitige Änderung des Mietvertrags nicht zulässig

Dass dies bei steigenden Strompreisen nachteilhaft für den Vermieter sein könne, so das Gericht, liege in der Natur einer Pauschale und sei von dem Vermieter, der sich auf eine Pauschale eingelassen hat, grundsätzlich hinzunehmen. Vermieter, die von der Erhöhungsmöglichkeit nach § 560 BGB keinen Gebrauch gemacht haben, hätten aber kein Recht, die mietvertraglichen Vereinbarungen außer Kraft zu setzen und diese einseitig zu ändern.

Das Urteil des Landgerichts Lübeck vom 16.11.2023 (Az. 14 S 21/22) ist rechtskräftig.

(LG Lübeck / STB Web)

Artikel vom: 22.01.2024

12.01.24 | Arbeitgeber schuldet Energiepreispauschale nicht

Einer Klage des Arbeitnehmers gegen den Arbeitgeber auf Auszahlung der Energiepreispauschale fehlt das Rechtsschutzinteresse, weil der Arbeitgeber nicht Schuldner der Energiepreispauschale ist. Dies hat das Finanzgericht Hamburg entschieden.

Solange die Energiepreispauschale noch nicht ausgezahlt worden ist, muss der Arbeitnehmer als Gläubiger der Energiepreispauschale gegenüber dem Finanzamt die Festsetzung durch Abgabe einer Einkommensteuererklärung geltend machen.

Im vorliegenden Fall verlangte die Klägerin von ihrer vormaligen Arbeitgeberin die Zahlung der Energiepreispauschale in Höhe von 300 Euro. Die Arbeitgeberin zahlte für die Monate September, Oktober und November 2022 bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens ihren Arbeitnehmern kein Arbeitsentgelt und gab in dieser Zeit auch keine Lohnsteuer-Anmeldungen ab. Am Tage der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wurde der Klägerin gekündigt.

Gericht bestätigt die Auffassung der Arbeitgeberin

Die Klägerin ist der Auffassung, die Beklagte habe im Monat September 2022 pflichtwidrig die Energiepreispauschale weder abgerechnet noch ausgezahlt. Die Arbeitgeberin ist der Auffassung, dass sie von der Auszahlung der Energiepreispauschale im September 2022 befreit gewesen sei, da keine Gehälter ausgezahlt und dementsprechend auch keine Lohnsteuer-Anmeldungen abgegeben worden seien. Dem folgte das Gericht in seinem Gerichtsbescheid vom 18.10.2023 (Az. 1 K 163/23, rechtskräftig). Für die Klage kein Rechtsschutzinteresse, weil die Arbeitgeberin nicht Schuldnerin der Energiepreispauschale sei. Vielmehr erfülle sie nur eine ihr gesetzlich auferlegte Pflicht als Zahlstelle.

Solange die Energiepreispauschale daher noch nicht ausgezahlt worden sei, müsse die Klägerin als Gläubigerin der Energiepreispauschale gegenüber dem Finanzamt die Festsetzung durch Abgabe einer Einkommensteuererklärung geltend machen.

(FG Hamburg / STB Web)

Artikel vom: 12.01.2024

05.01.24 | Höhe der Aussetzungszinsen rechtens

Die Höhe der Aussetzungszinsen von monatlich 0,5 Prozent ist nach einem Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg verfassungsgemäß. Das Zinsurteil des Bundesverfassungsgerichts zu Nachzahlungszinsen sei nicht übertragbar.

Die Entstehung von Aussetzungszinsen beruhe grundsätzlich auf einem Antrag der Steuerpflichtigen oder werde jedenfalls bewusst in Kauf genommen, so das Gericht. Das Bundesverfassungsgericht hingegen habe seine Unvereinbarkeitserklärung hinsichtlich der Zinshöhe auf die Verzinsung von Steuernachforderungen und Steuererstattungen beschränkt. Die Unvereinbarkeitserklärung erstreckt sich ausdrücklich nicht auf andere Verzinsungstatbestände (Urteil vom 11.5.2023, Az. 1 K 180/22). Zu diesem Ergebnis kam auch schon das Finanzgericht Münster.

Die Revision wurde allerdings im Hinblick auf das beim Bundesfinanzhof unter dem Aktenzeichen VIII R 9/23 anhängige Verfahren zur Verfassungsmäßigkeit der Höhe der Aussetzungszinsen zugelassen.

In dem vom FG Baden-Württemberg entschiedenen Fall erzielte der Kläger gewerbliche Einkünfte. Wegen formeller Buchführungsmängel wurden die erklärten Umsätze zunächst jeweils um 50.000 Euro erhöht. Der Kläger legte Einspruch ein und beantragte die Aussetzung der Vollziehung, die das Finanzamt in bestimmtem Umfang gewährt. Die Aussetzung der Vollziehung war jeweils befristet bis einen Monat nach Bekanntgabe der Einspruchsentscheidung. Die Einsprüche wurden schließlich als unbegründet zurückgewiesen, woraufhin der Kläger Klage erhob, die teilweise Erfolg hatte. Nach den daraufhin geänderten Steuerfestsetzungen setzte das Finanzamt Aussetzungszinsen nach Maßgabe der Abgabenordnung fest - zutreffend, wie das Finanzgericht entschied.

(FG Bad.-Württ. / STB Web)

Artikel vom: 05.01.2024

28.12.23 | Anhebung der Schwellenwerte im Handelsbilanzrecht

Das Bundesministerium der Justiz hat Änderungen im Handelsbilanzrecht vorgesehen. Die Schwellenwerte zur Bestimmung der Unternehmensgrößenklassen sollen jeweils um rund 25 Prozent angehoben werden.

Ein im Sinne des Handelsrechts kleines Unternehmen hat deutlich weniger intensive Pflichten als ein großes Unternehmen. Durch die Anhebung werden sehr viele Unternehmen in eine niedrigere Größenklasse rutschen – was für sie mit einer deutlichen Reduzierung des bürokratischen Aufwands und erheblichen Kostensenkungen verbunden ist.

Das jährliche Entlastungspotential für die Wirtschaft wird auf rund 650 Millionen Euro geschätzt. Dies entspricht einer jährlichen Reduktion der insgesamt durch Offenlegungspflichten für publizitätspflichtige Unternehmen verursachten Bürokratiekosten um rund 16 Prozent. Von der Anhebung der Schwellenwerte sollen etwa 52.000 Unternehmen (Kapitalgesellschaften, haftungsbeschränkte Personenhandelsgesellschaften und Genossenschaften) profitieren.

Umsetzung europäischer Regelungen

Die Schwellenwertanhebung dient der Umsetzung europäischer Regelungen. Diese ermöglichen es, die Schwellenwerteanhebung auch rückwirkend für das Geschäftsjahr 2023 geltend zu machen. Die ursprünglich im Maßnahmenpaket für ein viertes Bürokratieentlastungsgesetz (BEG IV) vorgesehene Anhebung der Schwellenwerte wird mit dem jetzigen Entwurf aus dem BEG IV herausgelöst und gesondert und beschleunigt umgesetzt.

Der Entwurf wurde zunächst an Länder und Verbände verschickt und online veröffentlicht. Die interessierten Kreise haben nun Gelegenheit, bis zum 5. Januar 2024 Stellung zu nehmen.

(BMJ / STB Web)

Artikel vom: 28.12.2023

18.12.23 | Zum Beweiswert von Arbeits­unfähigkeits­bescheinigungen

Der Beweiswert von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ist immer wieder Gegenstand von Gerichtsverfahren, insbesondere wenn sie im Kontext einer Kündigung stehen. Nun hat das Bundesarbeitsgericht eine Entscheidung getroffen.

Danach kann der Beweiswert von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen erschüttert sein, wenn der arbeitsunfähige Arbeitnehmer nach Zugang der Kündigung eine oder mehrere Folgebescheinigungen vorlegt, die passgenau die Dauer der Kündigungsfrist umfassen, und er unmittelbar nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine neue Beschäftigung aufnimmt.

Im entschiedenen Fall legte der Kläger am 2.5.2022 eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für die Zeit vom 2.5. bis 6.5.2022 vor. Mit Schreiben vom 2.5.2022 kündigte die Firma gleichwohl das Arbeitsverhältnis zum 31.5.2022. Mit Folgebescheinigungen wurde dann weitere Arbeitsunfähigkeit letztlich bis zum 31.5.2022 bescheinigt. Ab dem 1.6.2022 war der Kläger wieder arbeitsfähig und nahm eine neue Beschäftigung auf. Die Firma verweigerte die Entgeltfortzahlung.

Passgenaue Verlängerung der Arbeitsunfähigkeit

Nach der - stets erforderlichen - einzelfallbezogenen Würdigung der Gesamtumstände stellte das Bundesarbeitsgericht zunächst fest, dass für die Bescheinigung vom 2.5.2022 der Beweiswert nicht erschüttert ist. Der Kläger habe zum Zeitpunkt der Vorlage dieser Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung keine Kenntnis von der beabsichtigten Beendigung des Arbeitsverhältnisses gehabt. Bei den Folgebescheinigungen hingegen sei der Beweiswert erschüttert. Zwischen der passgenauen Verlängerung der Arbeitsunfähigkeit und der Kündigungsfrist bestand eine zeitliche Koinzidenz. Zudem habe Kläger unmittelbar nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine neue Beschäftigung aufgenommen.

Damit hat der Kläger nach dem Urteil vom 13.12.2023 (Az. 5 AZR 137/23) für die Zeit vom 7. bis zum 31.5.2022 die volle Darlegungs- und Beweislast für das Bestehen krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit als Voraussetzung für den Entgeltfortzahlungsanspruch.

(BAG / STB Web)

Artikel vom: 18.12.2023

Denis Broll - Diplom Ökonom | Steuerberater, Fachberater für int. Steuerrecht, zert. Berater für E-Commerce <small>(IFU / ISM gGmbH)</small>

Ihr Ansprechpartner:

Denis Broll
Diplom Ökonom | Steuerberater
Fachberater für int. Steuerrecht
zert. Berater für E-Commerce (IFU / ISM gGmbH)

Telefon: +49 281 / 33 99 33
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

 

Schreiben Sie uns

Schreiben Sie uns

Liebe Besucher,
wir möchten Sie darüber informieren, dass wir auf dieser Homepage nur Cookies einsetzen, die für deren Funktion essenziell sind und daher nicht deaktiviert werden können.

Wir nutzen Google Maps auf unserer Homepage, wodurch Daten an Google übertragen werden. Wenn Sie dies nicht möchten, können Sie die Verwendung von Google Maps ablehnen.

Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.