Ein Single Point of Contact gilt in der Wirtschaft als eine der wichtigste Änderung des Onlinezugangsgesetzes. Das ergab die Studie „Top 100 Wirtschaft“ durch das BMWi. In dem Projekt wurde auch überprüft, welche der Dienstleistungen besonders wichtig und online verfügbar sind.

Zu Beginn der letzten Legislaturperiode vereinbarte die Große Koalition, die 100 wichtigsten und am häufigsten genutzten Leistungen für Bürger und Unternehmen online anzubieten. Bis 2022 müssen nun sogar alle Verwaltungsleistungen online verfügbar sein. Das Projekt Top 100 Wirtschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hat sich unter anderem diesem Thema gewidmet und versucht zu ermitteln, welche Verwaltungsdienstleistungen tatsächlich in die Top100 gelangen und wie es mit der Online-Verfügbarkeit konkret für diese Leistungen steht.

Dabei konnte die Studie ermitteln, dass bereits 44 der 100 Leistungen online bundesweit einheitlich angeboten werden. Vor allem Steuern, Sozialversicherung und Statistik sind Bereiche, in denen die meisten wichtigen von Unternehmen genutzten Verwaltungsleistungen verfügbar sind. Leistungen wie Baugenehmigungen oder der Handwerkerparkausweis werden hingegen regional immer noch unterschiedlich abgewickelt.

Viele Wirtschaftsvertreter, unter ihnen der Deutsche Industrie- und Handelskammertag e V. fordern einen Single Point of Contact als wirtschaftsfreundlicheres Angebot. Aktuell muss ein Unternehmen derzeit 15 Nutzerkonten anlegen, um alle bundesweit einheitlichen Anwendungen nutzen zu können, insgesamt werden die 44 Verwaltungsangebote über 21 verschiedene Online-Anwendungen angeboten. Das führt natürlich zu einem erhöhten Zeitaufwand für die Pflege von Stammdaten und Berechtigungen.

Es gibt jedoch bereits Ansätze, wie eine SPoC geschaffen werden kann. Eine Herausforderung sind dabei die unterschiedlichen Nutzungsanforderungen, die von Einzelunternehmern bis hin zu Großunternehmen mit umfangreichen IT-Systemen sehr unterschiedlich ausfallen können. Deswegen gilt ein paralleles Angebot von Web-Anwendungen für kleine Unternehmen und Machine-to-Machine-Schnittstelle (M2M) für Unternehmen mit ausgereiften IT-Systemen als unumgänglich.

Aktuell können 40 der Verwaltungsleistungen mit 19 webbasierten Anwendungen abgewickelt werden, davon 17 ausschließlich webbasiert. 5 Desktop-Anwendungen ermöglichen die Abwicklung von 25 Leistungen, die Patenterteilung kann ausschließlich über eine desktopbasierte Anwendung beantragt werden. 23 Leistungen sind derzeit über eine M2M-schnittstelle nutzbar.

Nur für Elster, sv.net und eSTATISTIK.core haben Nutzer die Wahl zwischen allen drei Anwendungstypen. Immerhin sind hierüber 20 Einzelleistungen verfügbar.

Insgesamt ergibt sich allerdings ein sehr unterschiedlich ausgereiftes Angebot, das für die Umsetzung des Onlinezugangsgesetz noch viel Arbeit bedeutet. Problematisch sind dabei vor allem die mangelnde Übersichtlichkeit für die Anwender und die vielen unterschiedlichen Reifegrade, die es für Unternehmen erschwert, herauszufinden, welche Prozesse beschleunigt werden können. Dass ein SPoC schon mit der Umsetzung des OZG angeboten werden kann, ist somit sehr wünschenswert, allerdings wenig wahrscheinlich.

Denis Broll - Diplom Ökonom, Steuerberater

Ihr Ansprechpartner:
Denis Broll
Diplom Ökonom
Steuerberater

Telefon: 0281 / 33 99 33
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!