Das Finanzgericht Thüringen vertritt die Auffassung, dass Unterkunftskosten eines Internats als Sonderausgaben im Rahmen der Kinderbetreuung geltend gemacht werden können (Urteil v. 25.10.2016, 2 K 95/15).

Im entsprechenden Streitfall besuchte ein Kind eine Ganztagsschule und war während der Schulwochen in einem Internat untergebracht. Die Erziehungsvereinbarung beinhaltete neben Unterbringung und Verpflegung auch Erziehung, gesundheitliche Betreuung und Freizeitgestaltung. Der Kläger hat für die Unterbringung im Internat 1.034 EUR an Unterkunfts- und 1.409 EUR an Verpflegungskosten aufgewendet.

Finanzamt: Betreuung im vorliegenden Fall Inklusivleistung

Das zuständige Finanzamt hat entschieden, dass Kinderbetreuungskosten nur dann abzugsfähig sind, wenn die persönliche Fürsorge für das Kind im Vordergrund stehe, wie es beispielsweise in einem Kinderheim der Fall sei. Erheblich seien deswegen behütende und beaufsichtigende Betreuung. Gemischte Aufwendungen müssten entsprechend aufgeteilt werden. Da der überwiegende Teil der Aufwendungen auf Beherbergung und Unterbringung im Internat entfalle, sei im Streitfall nicht möglich, die Kinderbetreuungskosten abzuziehen. Der Betreuungsaufwand sei eine Inklusivleistung und dementsprechend von untergeordneter Bedeutung, sodass auch eine Aufteilung der Kosten nicht in Frage komme.

Finanzgericht: Kinderbetreuung umfasse auch Personensorge, Pflege und Erziehung

Das Finanzgericht Thüringen ließ Unterkunftskosten hingegen zum Abzug zu. Der Begriff der Kinderbetreuung umfasse grundsätzlich auch die Personensorge im Sinne des § 1631 des BGB (BFH, Urteil v. 19.4.2012, BStBl 2012 II S. 862). Er erstreckt sich zudem auch auf Pflege und Erziehung und umfasse somit auch die Sorge für das geistige, seelische und körperliche Wohl des Kindes. Dementsprechend beschränkt der Gesetzgeber den Betreuungsbegriff nicht auf Beaufsichtigung und Behütung.

Hintergrund: Steuerlicher Abzug der Betreuungskosten

Kosten für die Betreuung der Kinder können als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Abzugsfähig sind zwei Drittel der Kosten und bis zu 4.000 Euro je Kind. Das Kind muss dazu zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehören und darf das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Für körperliche, geistig oder seelisch behinderte Kinder entfällt die Altersgrenze, falls die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahrs eingetreten ist.

Dabei sind Ausgaben in Geld oder Geldeswert zu berücksichtigen, die für Dienstleistungen zur Betreuung eines Kindes aufgewendet werden, wenn die Leistungen im Einzelnen in Rechnung oder Vertrag vermerkt werden. Nicht zu berücksichtigen sind dabei Ausgaben für die Verpflegung, Unterreicht, Vermittlung besonderer Fähigkeiten, sportliche oder andere Freizeitgestaltungen. Bei einem einheitlichen Entgelt für Betreuungsleistungen und anderen Leistungen, ist eine Aufteilung im Schätzungswege vorzunehmen. Davon ist jedoch abzusehen, wenn die anderen Leistungen von untergeordneter Bedeutung sind.
Denis Broll - Diplom Ökonom, Steuerberater

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