Um unter den Begriff des häuslichen Arbeitszimmers zu fallen, muss der betroffene Raum mindestens nahezu ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt werden.

Teilweises Abziehen der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer

Im Streitfall bewohnt der Kläger zusammen mit seiner Ehefrau ein beiden gehörendes Einfamilienhaus. Bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung machte er im Jahre 2006 Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer geltend. Er verwies dazu zum einen auf einen „Tätigkeitsbericht“, in dem er Arbeiten aufführte, die er in Zusammenhang mit seinen Einkünften aus Vermietung und Verpachtung in dem betreffenden Raum verrichtet habe. Außerdem verwies er auf Fotos, die die büromäßige Ausstattung mit Schreibtisch, Computer, Regale und Ordner, nachwies.

Das Finanzamt versagte den Werbungskostenabzug jedoch. Demgegenüber ließ das Finanzgericht die Klage zu und ließ die Aufwendungen in einem Umfang von 60 % mit der Begründung zu, dass der Kläger die Nutzung zur Einkünfteerzielung in diesem Umfang nachgewiesen habe.

Anerkennung gemischter Aufwendungen ausgeschlossen

Das Finanzamt legte Revision ein. Nach seiner Auffassung müsse die Regelung über die beschränkte Abziehbarkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer
(§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG) gegenüber der grundsätzlichen Betriebsausgaben-/Werbungskostenabzug den Vorzug erhalten. Dieser setze jedoch die ausschließliche berufliche Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers voraus. Deswegen sei eine Anerkennung gemischter Aufwendungen für häusliche Arbeitszimmer ausgeschlossen, auch wenn diese für Reisekosten vom Großen Senat eröffnet worden sei.

Meinung nicht einheitlich

Der IX. Senat des Bundesfinanzhof ging hingegen wie das Finanzgericht davon aus, dass der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers keine ausschließliche betriebliche oder berufliche Nutzung voraussetze, was eine Aufteilung der Aufwendungen entsprechend der Nutzung ermögliche. Aufgrund von unterschiedlichen Meinungen innerhalb des BFH legte der IX. Senat dem Großen Senat jedoch die Frage vor, ob die nahezu ausschließliche Nutzung Bedingung für die Abziehbarkeit ist oder ob die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer aufgeteilt werden können.

Der Große Senat ist entgegen der Meinung des IX. Senats und des FG der Ansicht, dass Aufwendungen für einen Raum, der zu privaten Zwecken genutzt wird, insgesamt nicht abziehbar sind.

Demzufolge sind zwei Merkmale für das häusliche Arbeitszimmer entscheiden:

-          Es muss büromäßig ausgestattet sein

-          Es muss nahezu ausschließlich für Tätigkeiten zur Erzielung von Einahmeng genutzt werden.

Es ist also nicht möglich, ein Zimmer trotz seiner büromäßigen Einrichtung als Arbeitszimmer zu definieren, wenn es auch anderen Zwecken dient. Ein Zimmer, das sowohl zur Erzielung von Einnahmen, beispielsweise in einer Arbeitsecke, als auch zu privaten Wohnzwecken genutzt wird, ist hiervon erst recht betroffen. Der Große Senat ist der Auffassung, dass wenn Aufwendungen für Räume, die ihrer Ausstattung nach sowohl der Einnahmeerzielung als auch privaten Wohnzwecken dienen, nicht vollständig abziehbar sind, dies umso mehr für Räume gelte, die ihrer Ausstattung nach sowohl der Einnahmeerzielung als auch privaten Wohnzwecken diene.

Sonderregelung geht vor

§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG soll eine sachgerechte Abgrenzung des beruflichen und des privaten Bereichs gewährleisten, keinen Raum für Gestaltungsmöglichkeiten lassen und den Verwaltungsvollzug erleichtern, weswegen eine Aufteilung dem entgegenstünde. Der Vereinfachungszweck der Regelung würde sonst verfehlt. Zentrales Problem ist, dass sich der Umfang der beruflichen Nutzung objektiv nicht kontrollieren lässt, zumal auch Nutzungszeitenbücher nicht überprüfbar sind.

Der Beschluss zur Aufteilung der Reisekosten des Großen Senats stehe dem nicht entgegen, da es sich bei § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG um eine Spezialregelung handle, die den allgemeinen Grundsätzen vorgehe und abschließend bestimme, unter welchen Bedingungen und in welcher Höhe die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer abgezogen werden könnten.
Denis Broll - Diplom Ökonom, Steuerberater

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