Um auch bei einer mehrjährigen Berufsausbildung im Ausland weiter Kindergeld zu erhalten, ist es notwendig, dass das Kind die Wohnung der Eltern in den ausbildungsfreien Zeiten überwiegend nutzt. Ob das Kind im Herkunftsland der Eltern studiert oder aus finanziellen Gründen nicht nach Hause reisen konnte, ist dabei unerheblich.

Kind nimmt Studium im Ausland auf

Im Streitfall hatte der Sohn des Klägers einen zehnmonatigen Sprachkurs in China, dem Heimatland seines Vaters, absolviert. Anschließend entschied er sich für ein rund vier Jahre lang dauerndes Bachelorstudium in China, das er voraussichtlich im Juni 2017 abschließen wird. Er unterhält keine verwandtschaftlichen Beziehungen am Studienort. Der Sohn hielt sich vom 15.07. bis 30.08.2013 und vom 10.07. bis 28.08.2014 im Inland auf und bewohnte während dieser Zeit sein Kinderzimmer in der elterlichen Wohnung. Für Januar 2015 war ein weiterer Flug nach Deutschland geplant.

Die Familienkasse war der Meinung, dass die kurzzeitigen Besuche im Inland nicht ausreichten, um den Inlandswohnsitz beizubehalten und hoben die Kindergeldfestsetzung ab September 2013 auf. Das Finanzgericht gab der Klage statt und ist der Meinung, dass vor allem in der Anfangsphase eines Auslandsstudiums nicht von einem frühzeitigen Verlust des Inlandswohnsitzes auszugehen sei.

Ausbildungsfreie Zeit zur Hälfte im Inland verbringen

Der Bundesfinanzhof hat hingegen entschieden, dass für den Inlandswohnsitz entscheidend sei, dass die ausbildungsfreie Zeit überwiegend im Inland verbracht wird. Es sei hingegen nicht notwendig, dass der Sohn seine ausbildungsfreie Zeit „weit überwiegend“ im Inland verbringt. Der Sohn des Klägers hatte mehr als die Hälfte dieser Zeit und somit den überwiegenden Teil im Inland verbracht und die Voraussetzungen erfüllt.

Nicht immer lässt sich die ausbildungsfreie Zeit jedoch eindeutig definieren. Sie ist nicht mit den Semesterferien gleichzusetzen, da Studenten auch diese Zeit häufig mit Kursen, Praktika oder der Prüfungsvorbereitung verbringen.

Rahmenbedingungen ebenfalls entscheidend

Für die Ermittlung des Kindergeldanspruches sei nicht entscheiden, ob ein Kind persönliche oder finanzielle Beweggründe für ein Unterlassen der Heimreise anführen kann. Ebenfalls unwichtig ist, ob sich das Kind im fortgeschrittenen Stadium des Studiums befindet oder in einer Anfangsphase. Wichtig sei hingegen, wie das Kind am Ausbildungsort und der elterlichen Wohnung untergebracht sei. Auch die persönlichen Beziehungen des Kindes am Ausbildungsort und Wohnorder der Eltern seien von Bedeutung.

Die Herkunft der Eltern ist hingegen gänzlich ohne Belang, da sie keine Aussage darüber ermöglicht, ob das Kind am Ausbildungsort einen Wohnsitz begründet hat oder nicht. Wichtig wird diese nur mittelbar, wenn sie die persönlichen Beziehungen am Ausbildungsort für das Kind deutlich verbessert.
Denis Broll - Diplom Ökonom, Steuerberater

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